ITT Der Tempel der ewigen Eintracht

Aus Mythopedia
Spielwelt(en):Mitraspera
Urheber:innen:Daniel Simons, Lena Weber
Mitwirkende:weitere Autor:innen
Jahr:2011

Mein Name ist  Tahatan, Gesimae der Ouai.

Ich schreibe nieder die Geschichte der Edalphi und Eliondar bis zu jenen tragischen Monden, in denen ich mich gemeinsam mit meinen Brüder und Schwestern gezwungen sah, die Überreste des prächtigen Tempels der Ewigen Eintracht abzutragen und in Sicherheit zu bringen. Um zu verstehen, warum dieser Schritt unumgänglich für die mögliche Rettung des Volkes vor der Vernichtung sein könnte, werde ich weit in der Geschichte des Volkes zurückgehen. Nur dadurch kann jeder Bestandteil der tragischen Geschichte eines Volkes erklärt werden, die ständig die gescheiterte Hoffnung nach dem freien Willen zurück in den Zyklus der mitrasperanischen brachte. Beginnen werde ich mit Aphraîm, der mehr tun wollte als nur Vater sein.

Aphraîm gehörte dem Volk der Ca-jar an, jenem Volk, das so zahlreich auf dem Antlitz Mitrasperas war zu dieser Zeit, als einzig fünf Elemente auf der Welt zu finden waren. Zu dieser Zeit wurde noch lange kein Gedanke daran verwendet, an vorhandener Rechtmäßigkeit der Kral Urien zu wanken.

Aphraîm fand erst in hohem Alter eine Frau, mit der er sich vereinigen wollte. Sie zeugten gemeinsam ein Kind, welches Aphraîms einziges bleiben sollte. Er nannte den Jungen Timson. Was mit der Mutter danach geschah ist ungewiss. Timson und Aphraîm führten ein vertrautes Verhältnis miteinander. Doch Timson war ein schwieriges Kind, voller Eigenheiten. Er sprach wenig, auch wenn Kinder gleichen Alters schon Geschichten erzählten. Er spielte nicht wie andere Kinder und er nahm seine Umgebung anders wahr. Wo Aphraîm nur eine grüne Wiese sah, bekam er von Timson die Vielfältigkeit der einzelnen Floristika gezeigt.

Aphraîm, der ein Freund von Gedankenspielen und tiefsinnigen Gesprächen war, bemerkte rasch, dass sein Sohn ihm in diesen Belangen nicht nacheifern würde. Wenn Aphraîm seinem Sohn vom ewigen Wechsel der Gezeiten erzählte, sah Timson nur hunderttausende von Bläschen aus Meeresschaum. Auch seine Begeisterung für die Naturgewalten konnte Aphraîm nicht mit seinem Sohn teilen. Wollte er Timson das Meer aus der Nähe zeigen, begann Timson sofort sehr unruhig zu werden, je näher sie an die tosenden Wellen heran traten. Daher musste Aphraîm auch dergleiche Unternehmungen mit dem Jungen unterlassen und Timons blieb stets in bekannter Umgebung. Aphraîm liebte seinen Sohn ohne Einschränkung, gab ihm was er brauchte und suchte ihm Aufgaben, die für seine Fähigkeiten geeignet waren.

Doch gerade weil Aphraîm seinen Sohn so sehr umsorgte, trauerte er darum, Vater eines Kindes zu sein, welches nicht selbstständig entscheiden konnte. Aphraîm musste, zu Timsons Wohl, seinen Willen über Timsons stellen.. So war es an einem unbenannten anderen Ca-jel, ihn auf die Möglichkeit eigenständiger Schöpfung hinzuweisen.

Aphraîm dachte viel darüber nach, ob und wenn ja, wie er diese Möglichkeit in Betracht ziehen konnte. Am Ende seiner Überlegungen standen zwei neu erschaffene Elementarvölker: Die Edalphi und die Eliondar. Er gab beiden einen freien Willen, die Möglichkeit zum selbstbestimmten Leben und Freiheit von gesellschaftlichen Normen. Er gab ihnen die Möglichkeit sich so zu entwickeln wie sie wollten. Er behandelte sie wie seine Kinder, voller Zuspruch und Ermutigung, setzte ihnen nur wenige Grenzen in ihrer Entfaltung. Er lies die beiden Völker jedoch nichts voneinander wissen, damit sie sich unabhängig voneinander entwickeln konnten.

Was die geisterhaften und körperlosen Eliondar in der Zeit nach ihrer Erschaffungen erlebten ist uns unklar. Wohl aber wissen wir von den Edalphi zu erzählen.

Nach ihrer Erschaffung lebten die Edalphi als Wesen des Ausgleiches eine Weile sehr friedlich vor sich hin. Unter den Elementarvölkern waren sie keines von denen, die sich sehr schnell entwickelten, aber auch keines, wessen Untergang schon kurz nach der Erschaffung fest stand. Zuvor hatte es innerhalb des sehr langlebigen Volkes keinerlei Reibungs- und Konfliktpunkte gegeben, ein Jeder und eine Jede ging seiner, beziehungsweise ihrer Berufung nach, das Volk vermehrte sich, blieb aber von seiner Entwicklung immer auf dem Stand der Erschaffung. Herrschaftsstrukturen gab es bis dato keine, es mussten schließlich auch keine Entscheidungen getroffen werden. So lebten sie für die ersten paar Generationen, bis die Ersten anfingen neue Wege auszuprobieren, inspiriert durch den Kontakt zu anderen Völkern. Man merkte sehr schnell, dass sich durch die neuen Ideen und Inspirationen gesellschaftlicher Fortschritt ergab. Daraus entwickelten sich kleinere Konflikte und Streitigkeiten, weswegen sich fünf verschiedene Gruppierungen innerhalb der Edalphi herausbildeten.Warum geschah,  was nun folgte, vermochten auch die weisesten unserer Burderschaft nicht zu verstehen. Zunächst waren die Edalphi so unbeholfen der neuen Konfliktsituation ausgesetzt, dass sie sofort begannen rohe Gewalt gegeneinander anzuwenden.

Eine Gewaltorgie folgte der anderen und es kam zum berühmten Quin'heeneth, dem Sternenkrieg, wessen Brutalität und Ausmaß an Vernichtung wir niemals werden vergessen können. Der Hohe Rat sandte ungebundene, freie Ouai zur Schlichtung. Doch sie waren uns an Zahl so weit überlegen. Sie wollten nicht zuhören. Es wäre nicht der Weg der Ouai gewesen zu erzwingen unserer Schlichtung beizuwohnen. Wir können  anderen Völkern nicht unseren Willen aufzwingen, wir dürfen dies nicht tun. Egal ob sie unseresgleichen sind, oder unsere Erschaffer sind. Die Kral Urien haben durch der Quihen Assil Hand und Wort den Völkern Mitrasperas den freien Willen geschenkt. Der freie Wille, die freie Entscheidung, wie es auch der edle Herr mit silbergrauer Pracht sah, ist das wertvollste, was wir im Leben geschenkt bekommen haben, auch wenn manche aus der Bruderschaft das anders sahen und sehen. Die Wucht der Gewaltanwendung der Edalphi gegeneinander war so brachial und ursprünglich in ihrer Art, dass dabei bislang ungesehene Mengen an Energie freigesetzt wurden, welche die Vernichtung wiederum vervielfachte. Eine meiner Pa'Jolan glaubte wahrgenommen zu haben, dass während dieser furchtbaren Zeit seien Millionen Sterne auf Mitraspera niedergefallen sind und dort zerborsten. Intensive Gespräche brachten uns allerdings zu dem Schluss, dass es sich dabei um einen Trugschluss gehandelt haben müsse. Vor allem die Beobachtung in der folgenden Zeit am Firmament, und die Tatsache dass alle Quihen Assil an ihrer Ruhestätte verblieben waren, überzeugte uns, dass wir nicht Zeuge eines gefallenen Kindes wurden. Die unbeschreiblichen Energiemengen dienten schließlich nicht nur der Vernichtung, sondern führten auch dazu, dass das Schwestervolk der Edalphi, die Eliondar in diesem Moment den ernst der Lage und ihre Bestimmung begriff. Als sie durch den Quin'heeneth der Not der Edalphi gewahr wurden, vereinigten sich die Eliondar umgehend mit den Anführern der fünf verfeindeten Parteien und ließen den Ausgleich in die Seelen der Edalphi zurückkehren.

Der Tag, an dem die fünf Edalphi zusammentraten, die zuvor die jeweiligen Truppen angeführt hatten, um über die Zukunft der beiden Völker zu beraten, nannten sie den Tag der Ewigen Eintracht. Der Tag der Ewigen Eintracht wurde noch Jahrhunderte nach Ende des Quin'heeneth bei den Edalphi als heiliger Tag gefeiert und auch wir nahmen immer wieder sehr gerne an diesem Friedensfeste teil. Auf diesem Treffen wurde besiegelt, dass die zerstrittenen Parteien sich zunächst bereit erklären mussten einen Rat für gemeinsame Angelegenheiten zu bilden, ihr Volk in fünf Gruppierungen aufzuteilen, aus denen sich später die fünf Stämme der Edalphi entwickeln sollten und fünf unterschiedliche Landstriche zu besiedeln. Letztlich schworen sie sich bis in alle Ewigkeit niemals wieder untereinander Krieg zu führen oder auch nur ein Duell gegeneinander auszutragen. Dieser Schwur wurde mit dem Bau des Tempels der Ewigen Eintracht besiegelt, an dem von jeder Gruppierung Edalphi teilnahmen. Am Tag der Fertigstellung des prächtigen Tempels der Ewigen Eintracht wurde ein großes Fest gefeiert, wo zur Überraschung aller ein Gast erschien, den niemand bisher gekannt hatte. Timson, Aphraîms Sohn, war gekommen um den Edalphi mitzuteilen, dass es für die Zukunft seine Aufgabe sei an diesem Tempel bis an sein Daseinsende über das Wohle des Volkes zu wachen. Was die Edalphi zu diesem Zeitpunkt nicht wussten und auch zu keinem späteren hatten in Erfahrung bringen können, war dass Timson im Namen seines Vaters ein Geheimnis behütete, welches die Edalphi in einer möglichen Stunde größter Not hätte retten können. Aphraîm jedoch hatte sich dem Hohen Rat anvertraut um sicherzustellen, dass das Wissen erhalten und man Timson nicht aus den Augen verlieren würde. Denn die Ouai hatten eine Bibliothek in der Nähe besagten Tempels errichtet und waren die meiste Zeit zugegen.

Lange Zeit nach dem Tod Timsons entstand eine Art gesellschaftlicher Bewegung im Volk der Edalphi, die sich Neuen Denkschulen hingezogen fühlte. Diese Bewegung wuchs stetig, vor allem, da der Stamm Toria besonders leidenschaftlich für diesen Weg warb und sich von Anfang als treibende Kraft an die Spitze der Bewegung stellte, weil sie es als große Chance für das Volk begriffen. Allerdings war den Urzweiflern im Gegensatz zu den Edalphi bewusst, welche Macht selbst nach dem Tod Timsons immernoch vom Tempel der Ewigen Eintracht ausging. Deshalb versprach man dem Stamm Toria besondere Macht, wenn die Edalphi dafür im Gegenzug den Tempel zerstörten, welches Angebot die Edalphi annahmen. Mit der Zerstörung des Tempels war Timsons Geist der Zugang zur Welt versperrt und gleichzeitig auch für die Edalphi die Chance vergangen in großer Not Unterstützung zu erhalten. Denn eben dies war es gewesen, was Timson stets als einziges versprochen hatte, so doch auch niemand weiß wie dies aussehen würde.

So kam ich dazu, just in dem Moment, denn der Hohe Rat sandte mich, Tahatan. Alles was ich vorfand waren Ruinen, Schutt, Asche und eine Geschichte, die von Tragik kaum hätte überboten werden können. Sie schenkten sich Frieden und Einigkeit. Der Tempel der Ewigen Eintracht sollte ihr Symbol sein. Er sollte das ferne Licht auf dunkler werdendem Pfad sein. Der dunkle Pfad begann sich zu winden und schmaler zu werden. Sie zerschmetterten ihre Hoffnung mit roher Gewalt. Hoffnung die sie bald vergessen haben werden. Wie ein fernes Rauschen nahm ich es wahr, wie ein Brodeln im Untergrund. Wo die einen die Welt verließen, die anderen ihre Welt starr verteidigten, trat herbei was vorher nicht gekannt. Ihr Schöpfer pflanzte ihnen den freien Willen als tief sitzendes Merkmal ein, welches das ganze Volk prägte. Die Freiheit, die sie sich erwünschten, wollten sie nutzen, so weit wie selbst ihr Vater sich nicht getraut hatte. Doch nun begehrten sie die sich bietende Möglichkeit. Sie taten, was sie nicht lange später bereuen sollten. Sie schlossen sich dem Gedanken an, der Inbegriff war, den Willen der Kral Urien zu umgehen. Ihre Seele widerstrebte dem Tun, doch der Körper hatte kaum noch Wahl. Die größte Freiheit hatten sie ersehnt, die Gefangenschaft hatten sie erreicht. Die Entscheidung die Überreste des Tempels zu retten und zu bewahren, was noch bewahrt werden konnte, war alternativlos. So nehmen wir die fünf zentralen Spitzen des Tempels, der Ewigen Eintracht, sowie 5 Antlitze des Volkes. Wir verwoben beides mit den unsrigen Hallen, sodass niemand außer dem Wissenden Zugriff darauf habe. Niemand wird allein in der Lage sein zu lösen, was wir verborgen haben, denn so kann niemand allein Nutzen oder Zerstörung mit seiner Kraft tun. Wer den Ouai, die Allen folgen, beweist dass gute Taten folgen werden, der wird in der Lage sein den Willen Aphraîms folgen zu lassen.

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Die Stimmen der Zeit verschleiern den Augenblick. Ist es Wahrheit oder Trug?  Ein ungekanntes Gefühl, indem mir ein Geschenk zuteil wird, das bislang wohl nur Onthuthet empfangen hatte. Ich kann nicht genau deuten, was ich sehe, denn die Schemen sind dunkel und verborgen. Doch es überkommt mich, genau in dem Moment wo ich dachte die Geschichte beenden zu können, als ich nieder schrieb was ich an diesem Orte gesehen hatte, noch bevor ich mich zu handeln entschied. Bin ich nur ein Grashalm, der in den Winden wogt? Ich werde handeln, so wie ich es sah.  So schreibe ich nieder, was ich fühle. Bin ich nur ein Kiesel, der ins Tal rollt?

Mit letzter Kraft werden sie aufgebären. Sie baten um Vergebung. An dem Tag, als sie zurück in den Schoß des Schöpfers, der Mutter und des Vaters in einem traten, da sah ich in den Glanz des Firmaments. Heolaton war es, wessen Licht wie durch Schleier schien. Doch wo Heolaton ihnen vergeben konnte, auch wenn er nur einer von vielen war, so konnten Kral Urien nur spüren, wie das Band splitterte. Ein glänzender Strahl bewegt sich über Land und Weite, findet nicht den Weg zurück und verirrt sich in der Ewigkeit. Ich trete auf den Ort der Kraft, unter Heolatons neu erstrahlendem Schein, und sehe was geschehen ist. Meine Füße sind bar, ich fühle mich verbunden. Wir sind uns einig, es ist an der Zeit zu handeln. Wir wägen ab, ob es unser Recht ist zu schützen, was nicht unser ist. Doch wir wollen nichts verlieren, was gut gewesen war. Wir sind keine Beschützer, wir sind Bewahrer. So bewahren wir, bis die Zeit gekommen ist die Ewigkeit zu beenden. Meine Füße berühren das Gras, meine Hände den Wind, meine Augen das Licht, mein Haupt wird von Tropfen benetzt. Die Welt bebt.